Der Kampfbegriff "Wald vor Wild" muss sterben, "Wald mit Wild" ist unser Ziel und unser Auftrag!
Vertrauen der Jäger zur staatlichen Forstverwaltung ist derzeit nachhaltig gestört!
Der Jagdschutz- und Jägerverein Ingolstadt e.V. fordert von den verantwortlichen Politikern die Worte "Wald vor Wild" im Waldgesetz zu streichen und dafür "Wald mit Wild" einzufügen. Dies habe ich in einem Schreiben an die Staatskanzlei in München gefordert. An der gut besuchten Jahreshauptversammlung 2010 am Samstag, den 24. April 2010, im Fischerheim am Baggersee konnte ich als Vorsitzender die stellvertr. Landrätin von Eichstätt, Frau Rita Böhm, sowie den Leiter des Ordnungsamtes Ingolstadt, Herrn Jürgen Gaspar, begrüßen.
In meiner Rede zur Forderung "Wald mit Wild" ging ich auf die Hintergründe der derzeitigen Auseinandersetzung zwischen Jägern und Förstern ein.
Nicht wir Jäger sind daran Schuld, dass jahrzehntelang unsere einstmaliger artenreichen Mischwald zu reinen Fichtenmonokulturen umgebaut wurde. Dass dieser wirtschaftlich motivierte Trend nun ins Gegenteil umschlägt, begrüßen wir, die Jägerschaft, denn ein Mischwald bietet auch der Fauna vom Specht bis zum Reh einen deutlich besseren Lebensraum. Insofern würde kein Jäger auf die Idee kommen, einen sinnvollen Waldumbau behindern zu wollen, was uns von Seiten der Forstleute immer vorgeworfen wird.
Unsere Bereitschaft, die Grund- und Waldbesitzer bei ihren Zielen zu unterstützen, ist hoch. Die Zusammenarbeit vor Ort läuft vielerorts ausgezeichnet. Wir verwahren uns aber massiv dagegen, dass unter dem Deckmantel "Klimawandel und Waldumbau" klammheimlich eine Entmündigung der Grundeigentümer, eine Spaltung des bestehenden Einverständnisses von miteinander verbundenen Bevölkerungsgruppen und eine Bekämpfung vieler im Wald lebender Kreaturen betrieben wird. Dass Waldbesitzer finanziell dabei unterstützt werden, wenn sie ihren Wald umbauen, werten wir positiv, doch kann es nicht sinnvoll sein, sie dafür ihres Rechtes zu berauben, selbst über ihre waldbaulichen Ziele zu bestimmen und diese in enger Kooperation mit ihren Revierpächtern umzusetzen.
Deshalb setzen wir uns klar für eine Aufwertung der Rolle der Jagdvorstände und der Revierpächter bei der Abschussplanung ein.
Auch der Leitsatz "Wald vor Wild", wie er im Waldgesetz steht, müsste nicht unseren Unwillen erregen, wäre er nicht zum Kampfbegriff gegen jede Fürsprache für unser Wild verkommen. Mit dem viel zitierten "Trophäenkult" der Jäger hat unsere Ablehnung des Fütterungsverbotes nichts zu tun, sondern hier geht es um Ethik und Verantwortung auch im Sinne unseres Tierschutzgesetzes.
Wir fordern einen "Runden Tisch" mit Grundeigentümern (Jagdgenossen), Revierinhabern und den Erstellern des "Forstlichen Gutachtens zur Waldverjüngung" (Vegetationsgutachten oder Verbissgutachten).
Vegetationsgutachten und Abschussplanung sind zwei grundverschiedene Dinge und bedingen einander in keiner Weise. Empfehlungen können durchaus gegeben werden, müssen aber auch Empfehlungen bleiben. Empfehlungen können aus reinem Selbstverständnis heraus auch keine Dienstanweisungen werden. Je geschlossener wir jetzt auftreten, desto mehr Erfolg werden wir haben. Unser Ziel sollte es sein, das bisherige Verbissgutachten auf eine objektive Basis zu stellen mit einer klaren und nachvollziehbaren Aussage zur Verjüngungsvegetation, nicht mehr und nicht weniger. Dazu gibt es eine Reihe von Vorschlägen der Arbeitsgruppe um Prof. Paul Müller und Dr. Holger v. Stetten.
Die Ersteller der Gutachten haben kein Recht, sich in die Abschussplanung des Jagdbereites beim Landratsamt (als Untere Jagdbehörde) einzumischen, was in letzter Zeit vehement gefordert wurde.
Abschussplanung ist ausschließlich Sache der Jagdgenossen und der Revierpächter mit Einbezug der zuständigen Hegegemeinschaftsleiter. Nur wenn unter diesen drei Beteiligten kein Einverständnis herrscht, ist die Untere Jagdbehörde sprich der Jagdbeirat gefordert, einen behördlich festgesetzten Abschussplan festzusetzen.
So ist es vom Gesetzgeber gewollt und dafür werde ich auch mit Ihrer Zustimmung in Zukunft als stellvertr. Jagdberater für den Landkreis Eichstätt kämpfen.
In den Besprechungen wurde wieder hart über Sinn und Unsinn des Vegetationsgutachtens diskutiert.
In der Abschussplanung Rehwild 2010-2013 ist es uns gelungen, moderat auf die Reviere einzuwirken, bei denen noch Handlungsbedarf besteht, aber auch dort einzuwirken, wo nicht mehr erreicht werden kann. So bedanke ich mich bei den zuständigen Jagdbeiräten in Ingolstadt und Eichstätt sowie bei den Vertretern der jeweils zuständigen "Unteren Jagdbehörden" für ihre gute Zusammenarbeit mit uns Jägern.
Für die derzeitige Auseinandersetzung zwischen Förstern, Landwirten, Waldbesitzern und Revierinhabern bitte ich bzw. schlage ich folgendes vor:
"Lasst und das, was uns trennt, abbauen
und das, was uns verbindet, aufbauen
zum Wohl für Wald mit Wild"
Wenn uns dies gelingen würde, wären wir wieder die glücklichsten Jäger Bayerns.