Kreisgruppe im Landesjagdverband Bayern e.V.

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Jäger-Info

 

Landesjägertag in Erding vom 16.-18. April 2010

Vorwort zum Landesjägertag (von Dr. M. Netter, 2. Vorsitzender des Jagdschutz- u. Jägervereins Ingolstadt):

In den Grußworten aller politischer Repräsentanten zum Landesjägertag 2010 kam einstimmig zum Ausdruck, daß die Jagd und wir Jäger eine bedeutende Rolle im ökologischen System unserer Heimat spielen. Als Naturschützer und wichtige Akteure im Ökosystem sind wir neben anderen Beteiligten mitverantwortlich, dass in unserer Kulturlandschaft ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen Mensch, Tier und Natur besteht. Außerdem leisten wir in einem Flächenland wie Bayern einen wertvollen Beitrag zur Landschaftspflege.

Nach der Rücknahme des Skandalpapiers wurde mittlerweile auch im bayerischen Landwirtschaftsministerium erkannt, dass man mit einer Diffamierung der Jäger keine konstruktive Jagdpolitik betreiben kann. Die waldbaulichen Ziele können nicht gegen uns, sondern nur mit uns Jägern zusammen umgesetzt werden. Nur wir Jäger sind laut Gesetz berechtigt, den Wildbestand zu regulieren und die Abschussquoten zu erfüllen, und sonst niemand.

Das zeigt doch, dass wir Jäger in unserer Gesellschaft für unsere ehrenamtliche Arbeit Anerkennung finden und darin auch fest verankert sind.

Besonders wichtig ist, daß wir Jäger uns aber nicht auseinander spalten lassen, sondern unseren Kritikern gegenüber zusammenstehen. Dies konnte bei der Landesversammlung allerdings eindeutig unter Beweis gestellt werden.

Unser Präsident Prof. Dr. Jürgen Vocke und das gesamte Präsidium wurden mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt und im Amt bestätigt, in einer Zeit, wo unser eigenständiger Verband auf Bundes- und Europaebene neu positioniert werden muß.

 

Bericht vom Landesjägertag (von Dr. Michael Netter, 2.Vorsitzender des Jagdschutz- u. Jägervereins Ingolstadt):

Am Samstag, dem 17. April 2010 , fanden die Fachausschüsse und Arbeitskreise des Landesjägertages statt.

Zu den Themen jagdliches Schießwesen , Jagdhundewesen, Revier - und Wildschutz, Naturschutz und Landschaftspflege, Wildkrankheiten und Wildernährung, Niederwild Hochwild, Jagdrecht, Öffentlichkeitsarbeit, Jagdkultur, Junge Jäger Bayern, Wildlandstiftung, Jungjägerausbildung und vieles mehr konnten hochkarätige Referenten gewonnen werden.

Die Beiträge wurden in hervorragender Weise dargeboten und dann zur Diskussion gestellt. Es kann nur jedem interessiertem Jäger empfohlen werden, beim nächsten Landesjägertag dabei zu sein und diese Arbeitskreise zu besuchen. Es lohnt sich !!! Beispielhaft seien hier zwei Referate dargestellt:

1) Tierschutzkonforme Jagd auf Rehwild, Rotwild und Schwarzwild vorgetragen von Dr. Miroslav Vodnansky , Institutsleiter des Mitteleuropäischen Instituts für Wildtierökologie ( Wien )

Dr. Vodnansky stellte zunächst unbestrittener Weise fest: Tiere sind keine Sachen, sondern Lebewesen und Mitgeschöpfe der Natur, die genauso Schmerz, Angst und Leid empfinden wie wir Menschen, denn Sie verhalten sich auch ähnlich beim Schmerz.

Laut Tierschutzgesetz ist es aber verboten , Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten.

Er stellte die Frage, wie können wir als Jäger das Töten von Tieren bei der Jagd der Gesellschaft gegenüber begründen und damit unserer Jagd eine Existenzberechtigung geben.

Er führte aus: Die Jagd ist eine Form der Naturnutzung, die absolut auf dem gleichen Niveau steht wie die Landwirtschaft und Forstwirtschaft auch. Sie ist nicht zweitrangig. Sie war ja entwicklungsgeschichtlich die Grundlage für die Entwicklung der Menschheit. Das entscheidende Argument ist die Wildbreternte. Das Wildbret ist ein wertvolles ethisches, biologisches und ökologisch hochwertiges Nahrungsmittel, das wir Jäger gewinnen.

Auch die Bekämpfung von Wildkrankheiten zum Nutzen der Bevölkerung oder die Reduzierung von Wildschäden können als Argument zur Rechtfertigung angeführt werden.

Das Töten muss sein, aber würdevoll und möglichst ohne Qual und zwar im Rahmen der Waidgerechtigkeit.

Kritisch zu hinterfragen sind damit allerdings Formen der Jagd, die als nicht tierschutzkonform und nicht waidgerecht angesehen werden können.

Als Beispiele führte Dr. Vodnansky an: die Jagd im Gatter oder Gehege; die reine Throphäenjagd; die Nachtjagd, wenn Tiere rund um die Uhr bejagt werden, so dass das Wild keine Möglichkeit zur Erholung hat und damit enormer Stress entsteht; zu lange Schusszeiten; der Abschuss der Muttertiere; zu spätes Nachsuchen; Nachsuchen ohne Hund oder das Unterlassen der Nachsuche und nicht zuletzt die mangelnde Übung der Jäger beim Schießen.

Es liegt an uns Jägern , wie wir die Jagd ausüben und gestalten.

 

2) Wildbiologische Aspekte des Tierschutzes im Rahmen der Jagdausübung vorgetragen von Dr. Claudia Gangl , Biologin Frau Dr. Gangl referierte dabei über den Muttertierschutz bei der Jagd.

Muttertiere sind nicht nur bei der Fütterungsphase, sondern auch darüber hinaus für die Jungtiere wichtig. Ohne Mutter entsteht bei den Jungen Leid und Qual, das Jungtier verwaist, wird aus dem Verband abgeschlagen und verkümmert, was sich dann oft in einem stark reduzierten Allgemeinzustand zeigt. Wenn das Muttertier fehlt, dann kommt es beim Jungtier zunächst zur Antriebssteigerung, das sich im Suchen, Rufen, Umherlaufen und starker Erregung ausdrückt. Es folgt eine Trauer- und Protestphase, die dann in ein Stadium der Antriebsminderung übergeht. Die Folge davon ist dann ein „ seelischer Krüppel“. Führung durch das Muttertier bedeutet allerdings wesentlich mehr als nur Fütterung. Dazu gehört Anleitung zur Nahrungssuche, Beschützen in Gefahrsituationen, Fürsorge, Orientierung und Verhaltensprägung . Diese Führung findet bis zum Zeitpunkt des Abschlagens durch das Muttertier statt.

Beim Rotwild sieht man die sehr enge Bindung daran, dass das Kalb nicht nur in einiger Entfernung zum Muttertier, sondern fast immer in direktem Körperkontakt mitläuft.

Beim Rehwild dauert die Hauptsäugezeit circa 2,5 – 3 Monate. Die ausklingende Säugezeit endet erst Ende November. Die soziale Bindung und Prägung bleibt zeitlebens erhalten. Das Jungtier bleibt als Schmalreh bis zum erneuten Setzen der Muttergeis in unmittelbarer Nähe und zieht erst dann weg. Dass Mütter und Töchter eine lebenslange Bindung haben, zeigt sich auch an den Wintersprüngen.

Beim Schwarzwild synchronisiert und koordiniert die Leitbache die Sippe und organisiert den Gruppenzusammenhalt. Wenn das Leittier fehlt, kommt es zum Frischen zur Unzeit ( meist das ganze Jahr über ) und in der Rotte läuft alles aus dem Ruder.

Der Verstoß gegen den Schutz der Muttertiere wird nicht als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat geahndet. Dabei können nach § 38 Bundesjagdgesetz sogar Freiheitsstrafen bis zu 5 Jahren oder Geldstrafen bis zu 180 Tagessätzen ausgesprochen werden.


Eigene Anmerkung:

Bei Geldstrafen über 60 Tagessätzen ist wegen Fehlen der Zuverlässigkeit der Jagdschein in Gefahr. Zur Erinnerung sei hier nochmals der § 22 Abs. 4 Bundesjagdgesetz wiedergegeben: "In den Setz- und Brutzeiten dürfen bis zum Selbständig werden der Jungtiere die für die Aufzucht notwendigen Elterntiere, auch von Wild ohne Schonzeit, nicht bejagt werden."

Für uns Jäger ist demnach wichtig, folgendes zu wissen:

1) Wann sind die Setz - und Brutzeiten der Wildarten ?

2) Welche Elterntiere sind zur Aufzucht der Jungen notwendig; die weiblichen, die männlichen oder beide? Beim Fuchs zeigen die neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen, dass auch der Rüde bei der Aufzucht mithilft.

3) Wann sind die Jungtiere selbständig ? Darüber sollte noch intensiv diskutiert werden.

4) Der volle Muttertierschutz gilt aber auch für Wild ohne Schonzeit.

 

 

gez. Dr. Michael Netter
2. Vorsitzender

19.04.2010